Vatileaks TITANIC und Eisberge

Außerordentlicher Sonderbericht zu  unserer Serie:

Der Papst ist nackt und jetzt? Wahrheiten und Hintergründe

Vatileaks TITANIC und Eisberge

Analog zu Wikileaks umschreibt Vatileaks (engl. to leak: lecken) eine Inkontinenz des Vatikans aus dem engsten Führungskreis. Das Berliner Satiremagazin TITANIC will in seiner Juliausgabe gleich zwei undichte Stellen beim Vatikan gefunden haben, nämlich auf beiden Seiten des Papstes. Wer ein wenig Hintergrundwissen hat und sich am freudespendenden Wirken Josef Ratzingers in der Vergangenheit ergötzen durfte, versteht jedoch weder Aufregung noch Motiv des auf den Titelseiten abgebildeten Papst Benedikts XVI, hier gegen das Magazin eine einstweilige Verfügung anzustrengen. Uns schießt da ein schrecklicher Gedanke durch den Kopf: Doch nicht etwa auch Du, Benedikt XVI.?

Reagierst Du deshalb so sensibel auf das Titelcover des Satiremagazins TITANIC? Fühlst Du Dich etwa persönlich angegriffen? Weil es nicht stimmt, was das Titelcover unterschwellig mitteilt oder weil Du Dich gar ertappt fühlst? Oder erachtest Du und Deine Mächtigen dies dann doch für zu despektierlich gegenüber einem der geheimgehaltenen wirklichen Herrscher dieser Welt?

Wir stehen für eine klärende Aussprache zur Verfügung.

Angefangen mit dem Archiv von Kardinal Renato Dardozzi mit über 4000 internen Dokumenten etlicher Skandale der IOR aus den letzten 40 Jahren, das im Buch Vatikan AG 2009 durch den italienischen Journalisten Gianluiggi Nuzzi aufgearbeitet wurde, kommen endlich sog. Internas und Handlungsmuster einer bewußt im Mysterium angesiedelten, überaus mächtigen Organisation ins Blickfeld der Menschen. Und es tut so gut! Leider getraute sich Gianluigi Nuzzi nicht, die sich aus diesen Unterlagen aufdrängenden Schlußfolgerungen zu ziehen. So richtig wertvoll ist dieses Buch erst, wenn man es versteht zwischen den Zeilen zu analysieren. Dies unter anderem werden wir hier nachholen.

Mal mehr mal weniger öffentlich schwelt im Hintergrund der Skandal über den sexuellen Mißbrauch von Kindern, vorzugsweise Knaben weiter vor sich hin. In den Medien wird immer wieder verbreitet, wie sehr sich Benedikt XVI. der Aufklärung dieser Vorwürfe angeblich annimmt. Dem muß unter Verweis auf unsere 1. Veröffentlichung leider klar widersprochen werden. Daß hier die schönen Beteuerungen Benedikts mal wieder im klaren Widerspruch zum Handeln stehen, beweist einmal mehr die kürzliche Ernennung des Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig Müller zum Erzbischof und Präfekten der Glaubenskongregation des Vatikans.

Wir zitieren hier den vormaligen (2003 – 2005) Diözesanvorsitzenden Fritz Wallner, der die Ernennung von Bischof Gerhard Ludwig Müller als „sehr erstaunlich“ einstuft. “Es ist wirklich ganz erstaunlich, dass so ein Mann so einen Job kriegen kann.“ Der Bischof habe beim Mißbrauchsskandal in Riekofen im Landkreis Regensburg, einer „lokalen Krise“ versagt „und jetzt soll er weltweit Krisen lösen?“ Wallner wirft dem Bischof „mangelnde Dialogfähigkeit und nur gering ausgeprägte soziale Kompetenz“ vor. Er könne sich über derartige Personalentscheidungen nur noch wundern. „Man kann nur hoffen, dass es in der Weltkirche künftig nicht so zugeht wie zuletzt im Bistum, wo der Bischof Angst und Schrecken verbreitet hat.“ (Mittelbayerische Zeitung vom 03.07.2012)

Herr Wallner, Sie scheinen Ihre Weltkirche gar nicht zu kennen.

Tatsächlich greift nämlich hier wie dort wieder die immer gleiche Vatikan-Vertuschungs-Strategie unter Federführung des Papstes. Die Mißbrauchsopfer werden zumindest in den USA rasch aufgesucht und zur Unterzeichnung einer von Vatikan-Juristen vorgefertigten Vereinbarung mit Verschwiegenheitsverpflichtung gedrängt gegen Zahlung einer – viel zu niedrigen – Entschädigung.  Anderenorts wird massiv eingeschüchtert und aufgrund der systematischen jahrzehntelangen Vertuschung auf angebliche Verjährung gespielt. Zentrale Schaltstelle aller Vertuschung ist der Ratzinger-Papst bereits seit seiner Zeit als Leiter der Glaubenskongregation (theologe.de u.a.Nr. 61/2010 )

Was die Öffentlichkeit bislang weiss, ist lediglich die Spitze des Eisbergs. Bekanntlich lauern ca. 85% des Eisbergs unter der Wasseroberfläche. Halleluja!

Denn als eine wesentliche Wahrheit aus dem Buch Vatikan AG von Gianluiggi Nuzzi kann ausgemacht werden, dass der Vatikan durchgängig bei allen Skandalen der IOR nach einer sorgfältigen Analyse des bei den italienischen Justizbehörden vorliegenden Materials, das ihm unter der Hand durch loyale Informanten immer schon vorzeitig zugespielt wird, nur im äußersten Fall das öffentlich einräumt, was unvermeidbar sowieso aufkommen würde. Mit diesem Informationsvorsprung ist der Vatikan in der Lage, das tatsächliche Ausmaß seiner Verwicklung in jeden Skandal auf die ohnehin sichtbare Spitze des Eisbergs einzugrenzen.

Wir fragen uns daher: Muß das ungewohnt dünnhäutige Verhalten des Papstes mit der Erwirkung einer einstweiligen Verfügung gegen das Satiremagazin TITANIC als Umsetzung genau dieses Handlungsmusters gedeutet und verstanden werden?

Wir bleiben dran!

Institut für effektiven Rechtsschutz und Vermögenssorge

Ein Zusammenschluß furchtloser investigativer Juristen

Kategorie: 
Deutsch